Wie gefährlich sind Supermarkterpresser?

Ende September zog eine in Süddeutschland ausgehende Straftat weite Teile der Öffentlichkeit in ihren Bann. Ein Erpresser errang durch die Drohung, in Supermärkten wahllos Lebensmittel vergiften zu wollen, hohe Aufmerksamkeit. Allzu oft kommen solche Meldungen nicht auf, aber wenn, kann jeder davon betroffen sein. Wie die Täter vorgehen, was die Strafverfolgungsbehörden unternehmen können und wie man sich als Konsument in so einer Lage schützt, lesen Sie in diesem Beitrag.

Wie häufig kommt es zu Supermarkterpressungen?

Erpresserschreiben an Lebensmittelkonzerne kommen weit häufiger vor, als man glauben mag. Die Behörden sprechen hier von einer mittleren vierstelligen Anzahl. In etwa 75% der Fälle lassen die Verfasser ihren Drohungen Taten folgen. Dabei kontaminieren die Täter oft tatsächlich Produkte, bevor das Erpresserschreiben an das jeweilige Unternehmen geschickt wird. Supermärkte und andere Anbieter von Lebensmitteln gut beraten, alle eingehenden Drohungen ernst zu nehmen. Wenn Supermärkte von Erpressern kontaktiert werden, versuchen die Betroffenen normalerweise, den Fall von der Öffentlichkeit fernzuhalten. Dies hat verschiedene Gründe. Verantwortlichen ist daran gelegen,
  • keine Trittbrettfahrer zu provozieren,
  • für eine schnelle und geordnete Aufklärung zu sorgen sowie
  • und den Tätern keine zu große Aufmerksamkeit zu gewähren.
 

Was kann die Polizei gegen Lebensmittelvergifter tun?

Um den Ausbruch einer Panik in der Bevölkerung zu verhindern, hält die Polizei ihre Informationen über die Erpressungsfälle in der Regel unter Verschluss. Würde jeder Erpressungsversuch öffentlich, kämen Supermarktbesuche tendenziell einem Angsterlebnis gleich. Weder Unternehmen noch Verbraucher wäre das auf Dauer recht. In der Vergangenheit hat es jedoch bereits Fälle gegeben, die aufgrund von Bitten der Polizei an die Öffentlichkeit kamen. In diesen Fällen kam es häufig vor, dass Trittbrettfahrer das Verhalten des Erpressers an anderen Orten nachahmten und die Polizei sich plötzlich mit mehreren Tätern konfrontiert sah. Dies bringt gleich mehrere Probleme mit sich:
  • die Ermittlungen gewinnen so an Umfang,
  • die Taten werden unberechenbarer,
  • das Risiko für die Verbraucher steigt.
  Im zurückliegenden Fall fanden die Ermittler fünf Gläschen mit Babynahrung, die mit dem Gift Ethylenglycol präpariert waren. Nachdem die Polizei Bilder der Überwachungskameras des betroffenen Supermarktes ausgewertet hatte, gingen nach deren Veröffentlichung hunderte Anrufe aus der Bevölkerung ein.

Wie hoch stehen die Aufklärungschancen?

Die Aufklärungswahrscheinlichkeit hängt vom Professionalitätsgrad der Täter ab. Da es sich oft um Amateure handelt, liegen die Aufklärungsraten bei großen Fällen zwischen 80 und 90 Prozent. Videoüberwachung zählt zu einem guten Sicherheitskonzept für Einkaufszentren dazu, und so unterstützt eine Vielzahl an Kameras die Arbeit der Polizei enorm. Erpresser hinterlassen zudem oft digitale oder analoge Spuren, da sie nicht um die technischen Möglichkeiten zur Rückverfolgung von Nachrichten wissen. Spätestens bei der Übergabe des geforderten Lösegeldes kommt es meist zur Überführung der Kriminellen. Die betroffenen Unternehmen legen die Summe zwar häufig bereit, doch kommt es selten vor, dass das Lösegeld am Ende tatsächlich gezahlt wird.

Präventivmaßnahmen der Lebensmittelhersteller

Die Hersteller haben in der Vergangenheit große Bemühungen gezeigt, Produkte sicherer zu verpacken. Dazu zählt beispielsweise das Vakuum bei in Gläsern abgefüllten Lebensmitteln, das beim ersten Öffnen des Glas für das charakteristische „Plop“-Geräusch sorgt. Insgesamt taugen nur sehr wenige Lebensmittel überhaupt dazu, vergiftet zu werden. Da Flüssigkeiten auch durch sehr kleine Einstichstellen austreten und Kunden dies bemerken würden, sind Getränke und in Dosen abgefüllte Lebensmittel verhältnismäßig sicher. Süßwaren dagegen, die es in allen möglichen Einzelhandelsläden zu kaufen gibt und bei denen kleine Einstichstellen kaum auffallen, sind ein beliebtes Ziel der Erpresser.

Wie kann man sich als Verbraucher schützen?

Zunächst einmal sollten Kunden die Ruhe bewahren. Gemessen an der nachweisbaren Zahl von Schädigungen, die überhaupt durch Supermarkterpresser seit 1984 erfasst wurden, sehen sich Kunden einem verschwindend geringen Risiko gegenüber. Wer sich selbst schützen will, kann beim Kauf von Lebensmitteln vermehrt auf kleine Hinweise zu Manipulationen achten. Dazu zählt,
  • darauf zu achten, dass Gläser vor dem ersten Öffnen einen nach innen gewölbten Deckel besitzen
  • nach dem Öffnen von Gläsern hörbar das Vakuum entweicht,
  • flüssige Lebensmittel nicht zu lecken und
  • Lebensmittelverpackungen und ähnliche Siegel (Schalen von Früchten/Gemüse) auf Beschädigungen zu untersuchen.
  All dies sollte man auch dann berücksichtigen, wenn gerade kein Supermarkterpresser mit der Vergiftung von Lebensmitteln in den Medien ist. Denn auch Unternehmen müssen ganzjährig auf der Hut sein, um einen etwaigen Schaden durch Kriminelle so gering wie möglich zu halten.
Uwe Gerstenberg
Sicherheitsberater

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